Es ist vollbracht! Ich darf promovieren! Im Sommersemester 2021 beginne ich meine Promotion an der HfMT bei Alexander Schubert und Nina Noeske. Die Kommission für den Dr. sc. mus. hat mir die Bedingung gestellt, dass ich mir noch eine dritte Person zur Betreuung suche; da ist die Entscheidung aber noch nicht gefallen.

Es fühlt sich wie ein Anfang an, aber eigentlich bin ich seit einem Jahr am Überlegen und Recherchieren. Zuerst mussten meine beiden Professoren überzeugt und die Bewerbung geschrieben werden – und die Frage geklärt werden, was denn jetzt dieses „KI“ ist, über das ich da promovieren will.1

In den letzten Wochen habe ich mich vor allem um Stipendien gekümmert. Die letzten Bewerbungen habe ich in den vergangenen Tagen versandt und warte nun auf Rückmeldungen. Falls sie nicht erfolgreich sind, werde ich es in den kommenden Monaten noch bei anderen Stiftungen versuchen.

Hello Friend
Das erste Semester wird vor allem aus Vorarbeit bestehen: Ich muss die Entscheidung zum musikalischen Material treffen und mich in die Verwendung von KI-Algorithmen einarbeiten. Vielleicht laufen mir da auch schon günstige Angebote für die LEDs und die Computer-Hardware über den Weg. Das bedeutet relativ viel Schreibtischarbeit – aber Schreibtischarbeit klingt Anfang 2021 sehr attraktiv. Im Optimalfall kann ich im September

  • erläutern, welche Sorten von KI es gibt, wie sie grundsätzlich funktionieren und wofür sie eingesetzt werden können,
  • verschiedene KI-Algorithmen mit Python verwenden2,
  • entscheiden, welche Technik ich für mein Projekt benötige: Ob ich auf Rechenpower der HfMT oder anderer Institutionen/Personen zurückgreifen kann oder mir selbst entsprechende Ausstattung kaufen muss3; welche und wie viele LEDs ich brauche.
  • musikalisches Material vorweisen und die Wahl nachvollziehbar begründen.

Währenddessen wäre es sinnvoll,

  • Gesangs-Improvisation zu üben und mich damit zu beschäftigen
  • Tanz und Schauspiel zu üben

Ich möchte hier auch immer über die Dinge schreiben, vor denen ich Angst habe. Da geht es mir gar nicht so sehr darum, dass das rationale Befürchtungen sind, sondern eher um die Dinge, bei denen es mir unangenehm ist, an sie zu denken, sodass ich sie unbewusst, aber auf gewisse Weise absichtlich, übersehe. Mir einzugestehen, dass ich da Angst habe, soll mir helfen, dieses unwillkürliche Wegsehen zu vermeiden und die Dinge anzugehen. Im Moment ist das vor allem die Größe des Projektes – was, wenn ich mich verzettele? – und die Frage, wo ich die KI-Expertin hernehme.

Noch ein Wort zur momentanen gesellschaftlichen Situation: Es ist Anfang April 2021, in Deutschland steigen die COVID-Infektionszahlen an und es ist zu erwarten, dass es in den kommenden zwei bis drei Monaten einen harten Lockdown geben wird. Selbst wenn das nicht eintritt, ist es sinnvoll, zu Hause zu bleiben und möglichst wenig Personen zu treffen. Ich gehe davon aus, dass das öffentlich-kulturelle Leben auch 2022 nicht in einem Ausmaß wie vor der Pandemie stattfinden kann und dass es in den Jahren danach für Kultur wenig Geld geben wird. Aus diesen Gründen bin ich unendlich dankbar, genau jetzt promovieren zu können. Vielen Dank an alle, die das möglich machen, von meinen Eltern, die schon mein Studium finanziert haben, über meine Gesangsschüler:innen und hoffentlich bald auch an meine Stipendiengebenden.


  1. Es ist unklar. ↩︎

  2. … und sagen, ob diese Formulierung so überhaupt korrekt ist … ↩︎

  3. Fußnote für Musiker: KI ist ziemlich rechenintensiv! Fußnote für Informatiker: Nein, erstmal kein Cryptomining. ↩︎