Was tun wir, indem wir künstlerisch forschen?

In ihrem Text “Was tut Austin, indem er über das Performative spricht?” wendet Sybille Krämer Austins Überlegungen zu Performativität auf seinen Text “How to do Things with Words” selbst an. Sie stellt sich damit gegen eine herkömmliche Austin-Rezeption, die vor allem darauf abstellt, was Austin sagt, und nicht wie er es sagt: Er konstatiert zunächst die Existenz einer Klasse von Äußerungen, die tun, was sie sagen – im Gegensatz zu einem üblichen Sprachverständnis, in denen Äußerungen nur Realität abbilden und nicht verändern. Im Verlauf des Textes lässt er aber diese Dichotomie scheitern und schlägt letztlich ein anderes Modell vor, das in jeder Äußerung lokutionäre (verweisende, aussagende), illokutionäre (performative) und perlokutionäre (auf die Folgen der Äußerung bezogene) Aspekte ausmacht. Dieser Schritt, von “Performativ vs. Konstativ” zu “Lokutionär, Illokutionär und Perlokutionär”, wird üblicherweise als Fortschritt gesehen, als Verbesserung oder Verfeinerung der Theorie.

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Negative Performativa

Andrew Parker und Eve Kosofsky Sedgwick erwähnen in der Einleitung zu ihrem Sammelband Performativity and Performance die “fascinating and powerful class of negative performatives” (S. 9). Sie nennen die Beispiele “disavowal, renunciation, repudiation, ‘count me out’” (S. 9), also Verleugnung, Verzicht, Zurückweisung und “Ohne mich” (wahrscheinlich als eine Antwort auf “I dare you to …”).

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Ist Drag künstlerische Forschung?

Drag ist zweifelsohne eine Kunstform. Und viele Drag-Künstler*innen erkunden in ihrer Arbeit mindestens ihr eigenes Gender, wenn nicht sogar meistens Geschlechtlichkeit im Allgemeinen. So, wie Judith Butler in Gender Trouble Drag beschreibt, generiert es sogar Wissen in einem relativ engen Sinne: Es verhilft uns zu einer Einsicht in das Wesen von Geschlecht. Dass die künstlerische Form für diese Einsicht notwendig (oder zumindest sehr hilfreich) ist, macht Drag sogar zu einem besonders guten Beispiel künstlerischer Forschung – zu einem, mit dem sich künstlerische Forschung rechtfertigen lässt.

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Butlers Epistemological Mode

In Gender Trouble grenzt Butler ein performatives Verständnis von Geschlecht ab von einem “epistemological frame” (S. 195) oder “epistemological mode” (S. 197), mit dem das vorherrschende, ’expressive’ Verständnis von Geschlecht (vgl. S. 185f) verbunden ist. In diesem kurzen Text möchte ich mir selbst beim Orientieren helfen und mir klar werden, wie die verschiedenen Begriffe, die verwendet werden, zusammenhängen.

Dieser epistemologische Rahmen bringt eine Trennung zwischen Subjekt und Objekt mit sich: Einerseits das Subjekt: “the ‘I’ that confronts its world, including its language, as an object” (S. 196); andererseits das Objekt: “the ‘I’ that finds itself as an object in that world"196. Aber genau diese Trennung “conditions the very problematic of identity that it seeks to solve” (S. 196). Etwas eleganter drückt das vielleicht Robert Gernhardt aus:

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Supplemente!

In einer frühen Version meines Exposés hatte ich an mehreren Stellen den Begriff “Supplement” verwendet. Besonders die Formulierung “schriftliches Supplement” für den Textanteil einer künstlerischen Promotion wurde von meiner Betreuung beanstandet.

Aber woher kam mir dieser Begriff? Ich habe ihn augenscheinlich unbewusst aus meiner oberflächlichen Beschäftigung mit Derrida übernommen, der damit die untergeordnete Hälfte von hierarchischen Paaren von Begriffen bezeichnet: Natur vs. Kultur, Sprache vs. Schrift – jeweils einer der Begriffe wird “als ursprünglich und höherwertig, der andere als abgeleitet und minderwertig in Derridas Vokabular als ‘Supplement’, verstanden”1. Die Dekonstruktion wendet sich gegen diese Hierarchisierung und möchte nachweisen, dass am Ende der höherwertig gedachte Begriff vom Supplement abgeleitet und nachrangig ist.

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