Zu Beginn von “How to do things with words” schlägt John L. Austin eine Unterscheidung zwischen deskriptiven und performativen Äußerungen vor. Deskriptives (auch konstatives) Sprechen ist ein Sprechen über die Welt, das die Welt nicht beeinflusst, sondern sie lediglich beschreibt. Performative Äußerungen hingegen greifen in die Welt ein und verändern sie. Eine Perspektive auf Sprache, die die performative Kraft von Äußerungen ignoriert, geht demnach von einem Beobachter aus, der nicht Teil der beobachteten Welt ist, von ihr getrennt und nicht durch sie beeinflusst – eine Perspektive aus dem Nichts; derjenige, der spricht, kann objektiv auf die Welt blicken, ohne in sie verheddert zu sein, ohne Befangenheit und ohne über die Auswirkungen seines Sprechens nachzudenken.1

Das bedeutet nicht, dass, wer konstativ spricht, immer diese Perspektive vertritt; sondern es soll eher darauf hinweisen, dass das Ignorieren einer performativen Kraft des Sprechens verwandt ist mit der Illusion der Möglichkeit von völliger Objektivität. Wer die Möglichkeit performativer Äußerungen zugibt, erkennt auch die inhärente Messyness unseres Sprechens und unserer Welt an; wir sind in die Welt verheddert2, jede unserer Bewegungen bewegt auch ein Stück Welt mit. Wir sind immer bereits in der Welt befangen, bevor wir über sie nachdenken können – und auch unser nachdenken, verändert die Welt3

In other words, we don’t speak about the world, but act, by speaking, within the world. (Krämer, S. 224)

Diesen Schritt geht im Übrigen auch Austin, indem er die performative Kraft auf alle Äußerungen ausdehnt: Jede Äußerung hat potenziell weltverändernde Kraft.

Nun ist das Problem der Abwesenheit, dass die betreffende Person außerhalb des Teils der Welt ist, der jeweils betrachtet wird. D.h. die abwesende Person ist in einer besonders verführerischen Situation für die Illusion rein assertivem Sprechens: Sie kann nicht in die Welt eingreifen und sie nur beschreiben; ihre Worte sind schwach, ihnen fehlt die transformative Kraft. Andererseits kann der Versuch, in dieser Situation performativ zu sprechen, bedeuten, dass die abwesende Person wieder in die Welt eindringt; die Peformativität nutzt, um wieder Teil der Welt zu sein.

Die Erde hat mich wieder!

Sybille Krämer: Connecting Performance and Performativity: Does It Work? In: Laura Cull, Alice Lagaay: Encounters in Performance Philosophy, Houndmills/New York 2014, S. 223–237.


  1. Diese Überlegungen sind mit Sicherheit nicht neu; höchstwahrscheinlich habe ich sie aus der feministischen Theorie, weil genau diese Illusion von Objektivität eine Perspektive ist, die sich nur eine dominante Gruppe leisten kann. Auch heideggert das ein bisschen. Mich würde sehr interessieren, bei welchen Autor*innen diese Gedanken auftauchen. ↩︎

  2. Ohje, ist das schon wieder Heidegger? ↩︎

  3. Mehr Phänomelonogie! Wenn sich dieser Gedankengang als fruchtbar erweist, sollte ich in jedem Fall noch die Quellen nachschlagen… ↩︎