… soweit das Gestammel in meinem Exposé. Doch was will uns der Nicht-Künstler damit sagen?


Ein Text mit künstlerischen Anspruch, also Belletristik, oder? Eben nicht. Vielleicht eher eine Kunst mit textlichem Anspruch? Gibt es Wissenschaftliche Texte, die als Kunst wahrgenommen werden? Vielleicht Austins how to do things with words durch Krämer? Platons Dialoge? Mores Utopia? Aktuellere Beispiele? Derrida/Deleuze? Außereuropäisches? Nietzsche…

Ich strebe demnach an, auch künstlerischen Anforderungen zu genügen; also mit meiner Arbeit auch auf gewisse Weise Kunst zu schaffen.

Was meine ich genau damit? Anfangs war mir das auch nicht klar, dieser Satz war eher ein Ausdruck dessen, dass ich einerseits eine echte wissenschaftliche Dissertation schreiben will, aber andererseits auch dem Dr. sc. mus. genügen will, also auch irgendwie künstlerisch tätig sein will und eben keinen Dr. phil. schreiben will. Dass da irgendwie Kunst passieren soll, vielleicht nur, weil es sexy ist, wenn der Inhalt sich in der Form spiegelt.

Kunst oder doch nicht?

Ich denke, inzwischen kann ich das genauer beschreiben: Ich strebe nicht an, dass meine Dissertation ein Kunstwerk ist, das jemand als Kunstwerk rezipieren soll, so wie jemand eine Symphonie anhört oder ein Bild anschaut.1 Der Zweck ist ein wissenschaftlicher, genauer ein geisteswissenschaftlicher – noch genauer ein wissenschaftstheoretischer: Wie können wir Künstlerische Forschung fassen und begründen? Auch die Mittel sollen wissenschaftlich sein, aber die Dissertation soll sich auf einer anderen Ebene an den Logiken der Kunst orientieren. Meine These ist, dass sich das nicht widersprechen muss; dass das zwei derart unterschiedliche Dinge sind, dass sie zwei unterschiedliche Textebenen bilden können. Wahrscheinlich wird die Kunst die Wissenschaft an manchem Stellen stören, eventuell auch andersherum. Es wird sehr interessant sein, zu sehen, wer sich dann durchsetzt – und diese Entscheidungen sollte ich dann auch explizit machen und reflektieren.

Welche Kräfte und Logiken werden das nun sein? Wahrscheinlich werde ich im Laufe der Zeit einige einsammeln. Eine davon ist auf alle Fälle das Spiel mit der Form, das ich im Moment primär von Julian Klein2 übernehme; wahrscheinlich findet sich das aber noch bei anderen Autor•innen weitergehend ausgearbeitet. Ein weiterer Aspekt ist die Performativität selbst (was natürlich auch ein Spiel mit der Form ist, denn hier wird der Inhalt in der Form wieder relevant): Ich werde darlegen, inwiefern mein Text selbst performativ ist, oder sein soll. Weitere Möglichkeiten eines künstlerischen Anspruchs werden sich hoffentlich im Laufe der Arbeit am Thema auftun, wenn ich meine Augen offen halte…


  1. Damit ist eine Antwort auf die Frage, was Kunst ist, impliziert: Das, was als Kunst wahrgenommen wird, als Kunst genutzt wird. ↩︎

  2. Vgl. Julian Klein: Künstlerische Forschung gibt es gar nicht – und wie es ihr gelang, sich nicht davor zu fürchten. In: Anna-Sophie Jürgens/Tassilo Tesche (Hg.): LaborARTorium. Forschung im Denkraum zwischen Wissenschaft und Kunst. Bielefeld 2015. ↩︎