Posts for: #Künstlerische Forschung

Was tun wir, indem wir künstlerisch forschen?

In ihrem Text “Was tut Austin, indem er über das Performative spricht?” wendet Sybille Krämer Austins Überlegungen zu Performativität auf seinen Text “How to do Things with Words” selbst an. Sie stellt sich damit gegen eine herkömmliche Austin-Rezeption, die vor allem darauf abstellt, was Austin sagt, und nicht wie er es sagt: Er konstatiert zunächst die Existenz einer Klasse von Äußerungen, die tun, was sie sagen – im Gegensatz zu einem üblichen Sprachverständnis, in denen Äußerungen nur Realität abbilden und nicht verändern. Im Verlauf des Textes lässt er aber diese Dichotomie scheitern und schlägt letztlich ein anderes Modell vor, das in jeder Äußerung lokutionäre (verweisende, aussagende), illokutionäre (performative) und perlokutionäre (auf die Folgen der Äußerung bezogene) Aspekte ausmacht. Dieser Schritt, von “Performativ vs. Konstativ” zu “Lokutionär, Illokutionär und Perlokutionär”, wird üblicherweise als Fortschritt gesehen, als Verbesserung oder Verfeinerung der Theorie.

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Ist Drag künstlerische Forschung?

Drag ist zweifelsohne eine Kunstform. Und viele Drag-Künstler*innen erkunden in ihrer Arbeit mindestens ihr eigenes Gender, wenn nicht sogar meistens Geschlechtlichkeit im Allgemeinen. So, wie Judith Butler in Gender Trouble Drag beschreibt, generiert es sogar Wissen in einem relativ engen Sinne: Es verhilft uns zu einer Einsicht in das Wesen von Geschlecht. Dass die künstlerische Form für diese Einsicht notwendig (oder zumindest sehr hilfreich) ist, macht Drag sogar zu einem besonders guten Beispiel künstlerischer Forschung – zu einem, mit dem sich künstlerische Forschung rechtfertigen lässt.

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Der Begriff Me-Search

Ursprünglich hielt ich ‘Me-Search’ für einen auf künstlerische Forschung gerichteten Vorwurf, zu sehr die eigene Situation in die Forschung miteinzubeziehen. Es war einfach eine weitere Sache, die künstlerische Forschung nicht sein sollte – davon gibt es ja eine Menge, und als angehende künstlerisch Forschende ist eine der größten Herausforderungen, durch den Dschungel des Was-es-nicht-sein-soll bis zum Was-es-ist zu finden.

Mit etwas mehr Erfahrung würde ich diesem Vorwurf entgegnen: Künstlerische Forschung muss Me-Search sein. Das, was sie gegenüber den anderen Forschungsrichtungen auszeichnet, ist die privilegierte epistemische Position des Subjekts; es sind die besonderen Einsichten, die jemand als Kunstschaffende*r oder als Rezipient*in haben kann, die im Erleben entstehen und nicht in der theoretischen, vom Subjekt abstrahierten Kontemplation. Natürlich kann diese Subjektivität ins Negative umschlagen, in Beliebigkeit und völlige Unkommunizierbarkeit. In diesem Fall würde ich aber einen anderen Begriff empfehlen, der das Problem genauer trifft und nicht einen großen Teil der künstlerischen Forschung als Kollateralschaden miteinschließt – beispielsweise ‘Beliebigkeit’.

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Eine Idee für ein Thema

Ich möchte mich genauer mit der Methodik der Künstlerischen Forschung (KF) beschäftigen, und untersuchen, inwiefern das Performativitätsparadigma eine Perspektive bieten kann, KF zu beschreiben; und besonders die in den Dr. sc. mus.-Programmen geforderten schriftlichen Supplementen unter dieser Linse betrachten. Inwiefern ist KF notwendig performativ? Inwiefern lässt sich das Schriftstück auch als performativ auffassen, und damit eben nicht nur als wissenschaftliches Supplement eines künstlerischen Werks, sondern als Teil eines künstlerischen Arbeitens, der genauso sehr unter den Begriff der Kunst gehört, wie die praktischen Projekte? Damit wäre dann auch mein eigener Text gemeint…

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