Eine Übersicht zum Thema Performativität
Die erste Thematik, mit der ich mich auseinandersetzen möchte, ist Performativität. Ich habe dazu schon recht viel gearbeitet, sodass es jetzt sinnvoll ist, mir einen Überblick zu verschaffen und herauszufinden, welche Autor*innen ich noch rezipieren möchte oder sollte.
Im Exposé erwähne ich folgende Autor*innen und Themenbereiche:
- Austin: die Einsicht, dass durch sprachliche Äußerungen nicht nur Informationen übertragen, sondern auch Sachverhalte hergestellt werden können
- Derrida: entwickelt in Anlehnung an Austin seine Perspektive auf Zitation als Wiederholung ohne ursprüngliches Original, die auch in seiner Konzeption von Schriftlichkeit wirksam wird
- Butler: wendet Austins und Derridas Gedanken auf Gender-Performances an und zeigt, wie Geschlechtlichkeit durch Performances entlang einer Norm, durch die Wiederholung und Einschärfung eines Diskurses, hergestellt wird, dadurch aber auch verschiebbar ist.
- Fischer-Lichte: untersucht Verwandtschaft zu theatralen Performances
- schlägt damit eine für meine Zwecke zentrale Verbindung zwischen Performativität und Performance
- Andererseits ist ihre Konzeption nicht leicht mit meinem Vorhaben vereinbar, denn ein bedeutender Aspekt ist die leibliche Ko-Präsenz: Die Kraft der Performativität, die Fischer-Lichte beschreibt, beruht wesentlich darauf, dass Körper durch ihre Anwesenheit aufeinander einwirken können.
- In jüngerer Zeit finden sich kaum große Neuentwicklungen innerhalb des Performativitätsparadigmas, jedoch gibt es Weiterentwicklungen und Anwendungen.
- Sybille Krämer: Medientheorie, Verbindung zur Künstlerischen Forschung
- Volbers: Einführung
- mit Hempfer: Sammelband zu aktuelleren Anwendungen des Performativitätsparadigmas, darin v.a. Häsner et al.: Performativität von Texten
Größere Baustellen der kommenden Zeit sind:
- Mit Butlers Performativitätsbegriff habe ich mich noch nicht besonders ausführlich auseinandergesetzt – das möchte ich nachholen.
- Genauso Derrida; wobei sich bei diesem Autor auch die Frage stellt, inwiefern man ihn als “Autorität” zitieren kann… Mit einer genaueren Auseinandersetzung kann ich diesbezüglich hoffentlich einen vertretbaren Standpunkt entwickeln.
- Die Problematik der leiblichen Ko-Präsenz für mein Vorhaben. Wahrscheinlich gehört das aber in die Thematik der Performancekunst und damit in ein späteres Kapitel.
- Und dann treibt mich noch die provokante Frage um, ob Performativität denn nicht schon auserzählt sei. Ich merke das auch daran, dass die Großen Texte alle schon mehr als zwanzig Jahre alt sind; richtige Neuentwicklungen habe ich bisher nicht gefunden, in den letzten Jahren gibt es vor allem Anwendungen. Ist das Thema jetzt einfach durchdiskutiert, der Begriff fertig entwickelt und wir können ihn jetzt als Werkzeug anwenden?
Das waren nun Quellen, mit denen ich mich auseinandersetzen möchte, aber was will ich damit eigentlich anfangen? Performativität ist als erstes inhaltliches Kapitel des Dissertationstexts geplant; ich möchte dort die Aspekte sammeln, die ich in den kommenden Kapiteln mit den anderen Thematiken verknüpfen werde. Da diese aber noch nicht geschrieben sind, kann ich noch nicht wissen, was genau ich brauche; ich sammele also eher ins Blaue hinein, was später einmal nützlich oder interessant sein könnte – irgendwo muss ich ja anfangen.
Bisher interessante Aspekte sind:
- Betonung von leiblicher Ko-Präsenz (besonders bei Fischer-Lichte, aber auch bei Butler)
- dazu im Gegensatz: Stellenwert der Abwesenheit (besonders Derrida mit seinem Schriftkonzept, aber auch Häsner et al.; hier möchte ich noch mehr Stoff)
- Beziehung zur Performance-Kunst
- Beziehung zu Künstlerischer Forschung, aber auch, inwiefern KF-Konzeptionen die jeweiligen Performativitätskonzeptionen rezipieren – das gehört dann aber fast schon in das KF-Kapitel.