In Gender Trouble spielt das Begriffsfeld um ‘Parodie’, mit ‘drag’ und ‘Pastiche’, eine wichtige Rolle. Dieser Text soll eine Übersicht über die Zusammenhänge und Funktionen dieser Begriffe geben.

Butler nutzt den Parodiebegriff als Baustein für eine Alternative zur gängigen, essentialistischen Gender-Konzeption, die von einem ‘Original’ (’echte’ Frauen) ausgeht, das von einigen erreicht werden kann, von anderen aber nur imitiert.

“The parodic repetition of ’the original’ […] reveals the original to be nothing other than a parody of the idea of the natural and the original.” (S. 43)

Die Parodie legt offen, was die essentialistische Idee von Gender gerne übersehen möchte: Dass es genau diese Originale, diese Echtheit, nicht gibt. Auch das, was wir als Original akzeptieren, ist letztlich genauso sehr Imitation wie das, was wir als Parodie bezeichnen würden. Dies können subversive Praktiken wie beispielsweise Drag offenlegen: “In imitating gender, drag implicitly reveals the imitative structure of gender itself—as well as its contingency.” (S. 187, Hervorhebung im Original)

Neben ‘Kopie’/‘Imitation’ und ‘Original’ tritt ein weiterer Begriff: Ideal. Alle Genderperformances streben einem Ideal nach, das aber von keiner Performance wirklich erreicht werden kann; auch nicht von solchen, denen wir ‘Echtheit’ zusprechen. Es sind letztlich alles nur “imitative practices which refer laterally to other imitations” (S. 188) – lateral, nicht hierarchisch von einem Original ausgehend. Das wird im Drag klar, wo auch die Auftrennung zwischen ‘innerem’ (’echtem’) und, ihm entsprechendem, ‘äußerem’ (ausgedrücktem) Geschlecht durchkreuzt wird:

“[D]rag fully subverts the distinction between inner and outer psychic space and effectively mocks both the expressive model of gender and the notion of a true gender identity”(S. 186)

Im Drag offenbaren sich “three contingent dimensions of significant corporeality: anatomical sex, gender identity, and gender performance” (S. 187). Dass diese offensichtlich kontingent zueinander sind, wie der Drag zeigt, desavouiert die essentialistische Geschlechterordnung, die vom Ineinsfallen der drei Dimensionen ausgeht.


Der Begriff von Parodie, den Butler hier darlegt, weicht auf zwei Arten vom herkömmlichen ab:

  • Es gibt kein Original, das imitiert wird (vgl. S. 188),
  • Es ist nicht unbedingt Humor im Spiel; das Ziel ist nicht Verspotten oder Sich-Lustig-Machen; damit nähert es sich einer Pastiche an (vgl. S. 188f). Dass Butler trotzdem den Begriff ‘Parodie’ und nicht ‘Pastiche’ verwendet, liegt wahrscheinlich daran, dass die Parodie manchmal – aber nicht immer – subversiv sein kann:

“Gender parody reveals that the original identity after which gender fashions itself is an imitation without an origin […] “parodic proliferation deprives hegemonic culture and its critics of the claim to naturalized or essentialist gender identities” (S. 188)

Gleichzeitig ist sie produktiv, da mit den fehlschlagenden Imitationen Neues in die Welt kommt. (vgl. 188)

Anstatt eine Identität zu sein, ist Gender nurmehr ein ‘Stil’; diesen Begriff findet Butler auch bei anderen Autor*innen (vgl. S. 188f). Mit diesem Begriff tritt Butler auch dem Maskenball-Vorwurf entgegen: Auch wenn Geschlecht von unseren Handlungen abhängt, können wir es nicht einfach selbst auswählen: “[S]tyles have a history, and those histories condition and limit the possibilities” (S. 189).

Quellen#

Alle Seitenangaben beziehen sich auf:
Judith Butler: Gender Trouble. Routledge 2015.